Zur Aufarbeitung Würselener Geschichte gehören auch die Ereignisse zur Zeit des Nationalsozialismus. Gabriele Lübke hat das Schicksal ihrer Großmutter Rosa Schillings, geb. Droste (18.3.1899) recherchiert, die in der Kaiserstraße 9 in Würselen groß wurde. Sie wurde von den Nationalsozialisten am 2. Mai 1941 in Hadamar ermordet, ein Verbrechen begangen in Zuge der sogenannten „Euthanasie“.Bei ihrem Besuch in Würselen, wo sie über das Schicksal ihrer Großmutter erzählte, kündigte Gabriele Lübke an, dazu ein Buch zu schreiben. Dieses Buch liegt nun vor.

Buchumschlag des Buches über Rosa Schillings (Marta-Press)

Rosa Schillings heiratete 1925 den Bardenberger Ingenieur Jean Schillings und wurde Mutter von zwei Kindern. Dann trafen sie harte Schicksalsschläge. Ihr Mann wurde an seinem Arbeitsplatz in Borneo ermordet. Später starb ihre Tochter an Malaria. Rosa fiel aus dem Leben und wurde depressiv. Nach mehreren Jahren der Behandlung – sie sprach selbst davon, „Versuchskarnikel“ zu sein – wurde sie von den Nationalsozialisten in Hadamar ermordet. Zur Erinnerungskultur der Menschen einer Stadt gehört auch, an solche Schicksale zu erinnern.

Rosa Schillings mit ihren beiden Kindern auf der Kaiserstraße in Würselen /Foto Fabriele Lüdke)

 

Rosa Schillings wurde 1941 von den Nazis im Rahmen der T4-Aktion in Hadamar ermordet.

 

Das Buch können Sie im Würselener Buchhandel erhalten oder online bestellen

Die Autorin Gabriele Lübke, Jahrgang 1959, die zugleich die Enkelin von Rosa ist, zeichnet das Leben von Rosa nach und nähert sich so ihrer Großmutter an, die sie nicht mehr kennenlernen konnte. Familiäre Überlieferungen, Schriftstücke, Briefe und Rosas Krankenakte dokumentieren in dem Buch, wie leicht es den Nazis durch ihre rassistische und menschenfeindliche Ideologie gelungen war, die Gesellschaft zu spalten und – ihren Definitionen nach „unwertes“ – Leben von Millionen Menschen zu vernichten.
Über die Ermordung der Großmutter durch die Nationalsozialisten wurde in der Familie von Gabriele Lübke nie geschwiegen, aber es fehlten die Jahre 1936 bis 1941, in denen Rosa in der Heil- und Pflegeanstalt Galkhausen war. Diese Wissenslücke konnte erst 2015 geschlossen werden, als Gabriele Lübke eine Kopie der Krankenakte ihrer Großmutter aus dem Bundesarchiv erhielt.